Erik Niedling

PR für Ausstellung: Klassische Pressearbeit, Online PR (2014/15)

Erik Niedling: Eine Pyramide für mich, 14.11.2014 - 18.1.2015, Haus am Lützowplatz, Berlin

Erik Niedling (*1973) hat sich als konzeptueller Fotograf einen Namen gemacht, indem er die Aneignung von Geschichte und das Ephemere ins Zentrum verschiedener Werkserien stellt. In der Folge einer seit 2006 andauernden Kollaboration mit dem Schriftsteller Ingo Niermann erfuhr sein künstlerischer Ansatz eine gänzlich neue Ausrichtung.

Nach der gemeinsamen Arbeit an der Idee der Großen Pyramide realisierten sie 2010 zusammen den Dokumentarfilm The Future of Art. In Form eines Roadmovies erzählt dieser von den Begegnungen mit verschiedenen Protagonisten des zeitgenössischen Kunstbetriebs (u.a. Hans Ulrich Obrist, Olafur Eliasson, Damien Hirst) sowie der Entwicklung des Konzeptes des Pyramidenberges durch Ingo Niermann: Eine mindestens 200 Meter hohe Pyramide soll aus einem existierenden Berg herausgeschlagen werden. Nach der Beisetzung ihres Besitzers wird die Pyramide wieder mit dem zuvor abgetragenen Material bedeckt, um die ursprüngliche geologische Form wieder herzustellen. War die Idee (und Finanzierung!) dieses Werks ursprünglich an die Figur eines einzelnen Sammlers geknüpft, übertrug sie Ingo Niermann am Ende der Dreharbeiten an Erik Niedling, der sie seitdem als strukturgebendes Denkmodell seiner künstlerischen Arbeit verwendet.

Eine radikale Fortsetzung der Kollaboration zwischen dem Künstler und dem Schriftsteller manifestierte sich darauf im Projekt Mein letztes Jahr, bei dem Erik Niedling im Zeitraum vom 1. März 2011 bis 29. Februar 2012 gemäß einer von Ingo Niermann in einem früheren Zusammenhang verfassten Anweisung konsequent ein Jahr lang lebte, als sei es sein letztes. Am Ende des Projektes, das u.a. in Form eines Tagebuchs dokumentiert ist, stand eine Ausstellung im Sommer 2012 im Neuen Museum Weimar. Sie war als Grabkammer des Pyramidenberges konzipiert, in der Erik Niedling nicht nur bestattet werden möchte, sondern die auch als künftiger Aufbewahrungsort für sein biographisches und künstlerisches Archiv dienen soll. Die Monumentalität des Bauwerks – nach behördlichen Widerständen wurde dessen potentielle Realisierung aktuell von Deutschland aus auf das Territorium der Russischen Föderation verlegt – rührt nicht aus dem Anspruch, sich eine solche Grabstätte in irgendeiner Weise verdient zu haben. Vielmehr wird damit der bereits auf antike Vorbilder zurückgehende Mythos des jungen und genialischen Künstlers von Niedling kritisch reflektiert und Fragen der eigenen Endlichkeit und des Verschwindens behandelt.

Die Ausstellung im Haus am Lützowplatz basiert auf den weiteren Überlegungen zur Realisierung des Pyramidenbergs nach Erik Niedlings Weiterleben über den 29. Februar 2012 hinaus. Er versteht die Überschreitung dieser Datumsgrenze als regelrechte Wiedergeburt mit beträchtlichen Auswirkungen auf die eigene künstlerische Haltung sowie auf das Verständnis von der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Im Zentrum der Ausstellung, die aktuelle Werke aus den Jahren 2012 bis 2014 vereint, stehen neben den am Computer bearbeiteten Pyramid Mountain Photographs die Pyramid Paintings, bei denen Niedling den Ruß von verworfenen und vernichteten Malereien als Farbmittel für abstrakte gestische Notationen verwendet. Erst wenn Niedling die Arbeit an den Pyramid Paintings so weit perfektioniert hat, dass sie ihm in längerer Folge ausnahmslos zufrieden stellen, findet die Serie ihre Vollendung. Nachdem Niedling in seiner Serie Teilchen (2012) den Ruß seiner aussortierten Arbeiten auf Glasplatten einfing, reibt er ihn in den Pyramid Paintings auf den Bildträger Leinwand und knüpft damit an eine bis zur Höhlenmalerei zurückreichende Bildtechnik an. Niedlings Malerei ist ein Innehalten vor der übergroßen Herausforderung, den Pyramidenberg zu realisieren. Der Wechsel von Schöpfen und Zerstören gleicht den Zyklen des Lebens, der Abschluss der Serie dem Tod in Perfektion. (Text: HaL)

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