Kunsthaus Dahlem

PR für Kulturinstitution: Klassische Pressearbeit (2014/15)

Das am Grunewald gelegene Gebäude eröffnete im Juni 2015 nach einem denkmalgerechten Um- und Rückbau als neuer Ausstellungsraum in Berlin. In der Eröffnungsausstellung liegt ein Schwerpunkt auf der Präsentation plastischer Kunst, der ergänzt wird durch Malerei, grafische Arbeiten und Fotografien. Zeitlich konzentriert sich die Ausstellung auf die Jahre von 1945 bis zum Mauerbau 1961, in der Kapitulation und Besatzung, der schwelende Ost-West-Konflikt, die Berliner Blockade und ihre Überwindung durch die Luftbrücke der Westalliierten, die deutsche Teilung, zwei Republikgründungen bis hin zum Mauerbau zentrale historische Momente waren.

Die Ausstellung beleuchtet dieses Spannungsfeld der Nachkriegsmoderne: es werden Werke aus der Zeit von 1933-45 präsentiert, auf die nach Kriegsende aus unterschiedlichen Motivationen heraus Bezug genommen wird (Rezeption solcher Künstler, die das NS-Regime in ‚innerer Emigration’ überstanden oder als Fortführung künstlerischer Praxis seit End der 1920er/ Anfang 1930er Jahre). Besonderes Augenmerk wird dabei auf solche Werke gelegt, die den Versuch einer internationalen Anbindung nach 1945 illustrieren oder den Einfluss von Exil und Emigration auf das künstlerische Schaffen verdeutlichen. Übegreifendes Thema der Werke ist dabei die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper – jenem Sujet, an dem sich die nationalsozialistische Propaganda in besonderer Weise abarbeitete und deren künstlerische Neu-Definition nach 1945 daher eine besondere Herausforderung darstellte. Im Nebeneinander von figurativer und abstrakter, bzw. abstrahierender Formensprache wird schließlich auch der Einfluss des schwelenden Ost-West-Konfliktes deutlich.

Dem Kuratorium des zukünftigen Kunsthaus Dahlem gehören die Kuratorin Monika Flacke, Deutsches Historisches Museum, Berlin, der Kunsthistoriker und Kurator Eckhart Gillen, der Leiter der Neuen Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, Joachim Jäger, der Direktor der Berlinischen Galerie, Thomas Köhler, der Kunsttheoretiker und Publizist Robert Kudielka und die Kunsthistorikerin Angela Lammert an. Getragen wird das Kunsthaus Dahlem von der 2013 gegründeten Atelierhaus Dahlem gGmbH, einer Tochtergesellschaft der Bernhard-Heiliger-Stiftung.
Errichtet wurde das Kunsthaus Dahlem ursprünglich als Staatsatelier des Bildhauers Arno Breker, erbaut 1939 bis 1942 nach Entwürfen des Architekten Hans Freese. Arno Breker gehörte seinerzeit neben Josef Thorak zu den meistbeschäftigten plastischen Künstlern des Dritten Reiches und lieferte seit 1937 Bauplastiken für die Monumentalbauten Albert Speers.
Die Tiefbauarbeiten für den Dahlemer Gebäudekomplex begannen im Juni 1939 auf einem abgeholzten Waldgelände, das die Stadt Berlin dem Staat „auf Wunsch des Führers“, wie es in der Bauakte heißt, zur Verfügung gestellt hatte. Vorgesehen war die Errichtung eines Ateliers, das mit neuesten technischen Einrichtungen wie Kran, Hebebühne und Lastenfahrstuhl zum Keller ausgestattet werden sollte.
Bereits im November 1941, noch vor der offiziellen Fertigstellung des Ateliergebäudes im Februar 1942, empfing Breker hier im Mittelsaal erste Gäste: Im Rahmen eines vom NS-Propagandaministerium organisierten Deutschlandbesuchs besichtigte u.a. eine Gruppe französischer Künstler das Gelände.
Breker selbst nutzte das Atelier allerdings nur sporadisch bzw. für kurze Zeit. Zunehmende Bombendetonationen und die von ihnen am Bau verursachten Beschädigungen wie die geborstenen Glasoberlichter machten die Nutzung der Räume schon bald unmöglich. Brekers Hauptarbeitsstätte wurde stattdessen das Schloss Jäckelsbruch, ein Rittergut, das ihm 1940 anlässlich seines 40. Geburtstages von Adolf Hitler persönlich geschenkt worden war. Im benachbarten Wriezen befand sich zudem seit 1941 ein Werksgelände mit Gleisanschluss und Kanalhafen: die Arno-Breker- Bildhauerwerkstätten GmbH.

Nutzung nach 1945 – ein Haus der Künstler

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das ehemalige Atelier Arno Brekers zunächst von der US-amerikanischen Besatzungsmacht genutzt; die Information Control Division (ICD) zog vorübergehend ein. Nachdem diese das Gebäude verlassen hatte, wurde es von der städtischen Verwaltung den ehemals Staatlichen Museen und der Hochschule für Angewandte Kunst in Berlin-Weißensee angeboten.
Nachdem jedoch weder die Museen noch die Hochschule den Komplex nutzen wollten, wurde das mittlere Atelier der Berliner Steinmetzinnung zur Verfügung gestellt. 1949 bezog der Bildhauer Bernhard Heiliger den Ostflügel des Gebäudes. Im Jahr nach seinem Tod 1995 wurde die Bernhard-Heiliger-Stiftung gegründet, die seitdem ihren Sitz im ehemaligen Privatatelier des Künstlers hat.

1964/65 zog Emilio Vedova als erster internationaler Künstler in den Mittelbau des Gebäudes ein. Der Italiener schuf hier u.a. sein großes Werk Absurdes Berliner Tagebuch. 1966/67 errichtete der Architekt Werner Düttmann in unmittelbarer Nachbarschaft zum Atelierhaus das noch heute bestehende Brücke Museum. In den folgenden Jahren wurde das Atelierhaus vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und dem Berliner Kultursenat an Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt vergeben. Namhafte Repräsentanten wie Armando, Ouhi Cha, Jimmie Durham, Dorothy Iannone, Jean Robert Ipoustéguy, Emmett Williams und Jinshi Zuh wirkten in diesen Räumen.

www.kunsthaus-dahlem.de

Foto © Robert Conrad

Pressestimmen (Auswahl)

Berliner Morgenost: Einen Besuch wert: Im ehemaligen Atelier des NS-Bildhauers Arno Breker eröffnet jetzt das sanierte Kunsthaus Dahlem

Berliner Zeitung: Das Kunsthaus Dahlem ist ein großes Geschenk für Berlin

BR2: Kunsthaus Dahlem - Ausstellungsort mit Vorgeschichte

B.Z.: Dahlem enthüllt sein neuestes Museum

Deutschlandfunk: Die Geschichte des Kunsthauses Dahlem ist mit der Nazi-Zeit verknüpft - zeigt in den Ausstellungen aber wenig davon. Die künstlerische Leiterin Dorothea Schöne sagt: Das Haus ist vor allem ein Ausstellungshaus für die Nachkriegsmoderne und keins für Kunst, die während des Dritten Reiches entstanden ist. Im DLF erklärte sie, wie sich das Haus mit der Vergangenheit auseinandersetzt.

Kunstzeitung: Geheimtip Käuzchensteig

rbb kulturradio: Eine kleine Sensation in Zeiten knapper Kulturetats: Am 12. Juni eröffnet das Kunsthaus Dahlem am Rande des Berliner Grunewald seine Türen als neuer Ausstellungsort … Mit diesem gelungenen Auftakt empfiehlt sich das Kunsthaus Dahlem als neuer Ausstellungsort und Ergänzung zum Brücke-Museum im Grunewald.

Süddeutsche Zeitung: Zur Neueröffnung des Kunsthauses hat die kluge Kuratorin Dorothea Schöne Werke der Nachkriegsmoderne aus den Jahren 1945 bis 1955 zusammengetragen ... Die Werke sind zu fein für die Monumentalität des Hauses, aber sie behaupten sich gut in ihm und gegen es. Sie erzählen eine Geschichte vom künstlerischen Neuanfang, der oft ein Sich-Herausarbeiten war ... Ausgerechnet in Dahlem werden nun Künstler aus Ost und West nebeneinander gezeigt, wie es sich gehört. Die Zartheit, die das Beste der Nachkriegsmoderne auszeichnet, lässt sich hier erleben: ein Triumph der Stille.

 

Tagesspiegel: Lange Zeit wurde kaum über das Breker-Atelier in Berlin gesprochen. Nun wird das Gebäude inmitten eines beschaulichen Wohngebiets zum ersten Mal für Publikum zugänglich gemacht. Am Freitag eröffnet es unter dem Namen „Kunsthaus Dahlem“ als Ausstellungsort für die Nachkriegsmoderne. Wo Breker einst Heldenkörper und Hitler-Köpfe schuf, halten nun Werke ehemals verfemter Künstler Einzug. Nachkriegskunst im NS-Staatsatelier, geht das gut?

tip: Die Leiterin des Hauses Dorothea Schöne hatte mit Veranstaltungen im Vorfeld eine Verbindung zur kritischen zeitgenössischen Kunst hergestellt, doch der Schwerpunkt der Dauerausstellung wird die deutsche Moderne zwischen 1945 bis Anfang der 1960er-Jahre sein. Ein Bereich, der durch kein anderes Berliner Ausstellungshaus abgedeckt werde, sagt Schöne. Die Ausstellungen werden alle drei Monate wechseln. Den Anfang machen die Arbeiten von Karl Hartung, Hannah Höch, Jeanne Mammen, Karl Schmidt-Rottluff, Heinz Trökes, Fritz Cremer, Ruthild Hahne, Louise Stomps und anderen, deren Darstellung des Menschen sich grundlegend von der durch die Nazipropaganda verbreiteten Ideologie abgrenzte – auch dies kann eine Grundlage zur Auseinandersetzung mit der Geschichte dieses Gebäudes sein.

 

Heinz Trökes: Porträ von Berlin (1947) - Detail, Aquarellierte Zeichnung, Copyright: Trökes-Archiv, Berlin, Fotograf: Matthias Grobe.