Susan Philipsz

PR für Ausstellung: Klassische Pressearbeit, Online PR, Pressetexte, Marketing (2014)

Susan Philipsz: Part File Score, Zwölf Arten Hanns Eisler zu beschreiben, 24-Kanal Sound Installation, 1. Februar – 4. Mai 2014, Hamburger Bahnhof, Staatliche Museen zu Berlin

Die Klangarbeiten der in Berlin lebenden schottischen Künstlerin Susan Philipsz entstehen oft für einen bestimmten Ort, auf dessen Geschichte und Räumlichkeit sie sich bezieht. Für die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs hatte Susan Philipsz eine Sound Installation entworfen, die Bezug nimmt zum einen auf die ehemalige Funktion des Gebäudes als Bahnhof und zum anderen auf die architektonische Struktur der Halle mit ihren 12 Stahlbögen. Als Ort von Abfahrt und Ankunft, von Trennung und Wiederkehr brachte die Künstlerin den ehemaligen Bahnhof in Verbindung mit dem bewegten Leben des in den 1920er und 1950er Jahren in Berlin beheimateten Komponisten Hanns Eisler (1898–1962). Eisler, der wie sein Lehrer Arnold Schönberg in den 1930er Jahren nach Amerika emigrierte und der 1948 die USA aufgrund seiner prokommunistischen politischen Überzeugungen wieder verlassen musste, setzte sich zwar mit der Zwölftontechnik seines Lehrers auseinander, wandte sich aber infolge seiner sozial engagierten Kunstauffassung auch ‚populären’ Genres wie der Bühnen- und Filmmusik zu. Er komponierte zahlreiche Lieder, darunter immer wieder Lieder für Arbeiterchöre und für Kundgebungen der internationalen Arbeiterbewegung. 1949 komponierte der im Ostteil Berlins lebende Eisler die Nationalhymne der DDR.

Die Sound Installation von Philipsz basiert auf drei filmmusikalischen Werken Eislers, Präludium in Form einer Passacaglia (1926, für Walter Ruttmann, Opus III, 1924), Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben (1941, für Joris Ivens, Regen, 1929) und Septett Nr.2 (1947, für Charlie Chaplin, The Circus, 1928), die nacheinander im Raum erklingen. Einem künstlerischen Prinzip folgend, das Philipsz bereits für ihre 2012 auf der dOCUMENTA (13) in Kassel präsentierte Arbeit Study for Strings anwandte, hat die Künstlerin die Noten der Kompositionen im Studio einzeln aufgenommen. Sie werden wiederum separiert über 24 entlang der Historischen Halle installierte Lautsprecher wiedergegeben. Mit dieser akustischen Arbeit und 12 großformatigen Grafiken, in denen Partiturseiten Eislers mit Seiten aus den ihn betreffenden Akten des FBI überlagert werden, sucht Philipsz eine Annäherung an Eislers Ästhetik der displaced form, um Themen wie die der Lebensreise und der Erfahrung von Trennung, Überwachung und Vertreibung aufzurufen.

Susan Philipsz (*1965 in Glasgow), die 2010 den renommierten Turner Prize gewann, arbeitet in ihrer Auseinandersetzung mit musikalischen und literarischen Vorlagen sowie mit spezifischen historischen Konstellationen überwiegend mit dem Medium Klang. Sie greift häufig bekannte Lieder und Popsongs auf, die sie mit ihrer eigenen Stimme vorträgt und aufnimmt, um damit im Ausstellungsraum oder im städtischen Raum ein auf den jeweiligen Ort bezogenes akustisches Environment zu schaffen. In jüngerer Zeit wählt sie verstärkt instrumentale Kompositionen und akustisches Material wie Field Recordings oder Radiosignale, um dieses Material zu bearbeiten und räumlich zu inszenieren.

Die Ausstellung von Susan Philipsz findet statt im Rahmen der Veranstaltungsreihe Musikwerke Bildender Künstler, die seit 1999 von Freunde Guter Musik Berlin in Zusammenarbeit mit der Nationalgalerie und seit 2002 mit dem Festival MaerzMusik der Berliner Festspiele durchgeführt wird. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung der seit 2001 in Berlin lebenden Künstlerin in der Stadt.

www.musikwerke-bildender-kuenstler.de
www.hamburgerbahnhof.de

Ausstellungsplakat, Gestaltung: Cyan
Eröffnung Susan Philipsz - Part File Score (Fotos © Sebastian Bolesch)

Pressestimmen (Auswahl)

artdaily:
"For the historic hall of the Hamburger Bahnhof Philipsz has designed a sound installation that relates both to the building’s former function as a railway station and to the architectonic structure of the hall with its 12 archways"

artnet:
Where Schoenberg’s symphonies accosted the audience with the cacophony of the industrial age, Eisler’s employ of the 12-tone method in film, theater, and radio drama sublimated its whip of alienation into the everyday. Philipsz takes the move one step further. She wrests the listener from his velvet-clad chair on the mezzanine or reclined La-Z-Boy at home, throwing him into the orchestra pit: she implicates him in the deed. However, despite its anti-hierarchical efforts, agency remains at arms length, visible but not actionable. If Schoenberg was the factory floor and Eisler (in original form) the cubicale in a Miesian tower, Philipsz is the couch-bound independent contractor.

artlyst.com:
"The Turner Prize winning Scottish artist Susan Philipsz is exhibiting one of her highly regarded sound works at the historic hall of the Hamburger Bahnhof in Berlin"

Berliner Zeitung:
"Eine melancholische Grundstimmung belegt die historische Halle, eingehaucht von der schottischen Klangkünstlerin Susan Philipsz. Mit "Part File Score" hat sie ein Meisterwerk an Vielschichtigkeit, an Raum-Klangerlebnis geschaffen ... Es ist, als habe die Schottin dem Komponisten Eisler - und anderen von Verfolgung und Zensur Betroffenen - einen klingenden Erinnerungsraum geschaffen" (Artikel lesen)

Berliner Morgenpost:
Zwölf in Kopfhöhe angebrachte Lautsprecher spucken jeweils einen Ton der chromatischen Tonleiter aus und weben so ein feines akustisches Netz, das immer wieder neu klingt: Je nachdem, wo man steht, schrillen einige Töne wie Signale im Ohr, andere klingen wie eine Ahnung von weit her. Plötzlich strahlt warm und nah ein Klavierton, dann wieder springen die gezupften Violintöne durch den Raum wie ein akustischer Flohzirkus ... Es ist fast, als würde Hanns Eisler noch einmal ankommen dürfen"

Der Tagesspiegel:
"Susan Philipsz setzt vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Beinahe zaghaft tastet sie sich in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs voran, als könnte ein falscher Schritt die ganze Installation zum Einsturz bringen. Dabei ist die Halle, die Philipsz durchschreitet, leer geräumt. Keine Statue, kein Gemälde findet sich zwischen den Stahlsäulen der ehemaligen Abfahrtshalle. Dennoch sorgt sich Philipsz, wiegt ihren Kopf, geht auf und ab. Was die Künstlerin wahrnimmt, sind Töne, ihre Töne"

junge welt:
»Er wollte nicht elitär sein« - Ein Gespräch mit Susan Philipsz

KUNSTforum, Noregen:
In a sense, it’s a soothing feeling of refreshing simplicity, moving about the restored and polished hall, listening to the engineered and polished 24-channel spatial sound installation.

Modern Painters, USA:
It’s the Berlin-based, internationally acclaimed Scottish artist Susan Philipsz, widely known for her location-specific sound art installations, who takes a risk by leaving the monumental Hamburger Bahnhof completely empty. Her latest piece, Part File Score, is entirely devoted to concentrated listening ... The clarity of every sound creates a certain form of awareness, as if the perception of yourself and your surroundings has changed. While museumgoers lay on the floor, the notes travel through the entire hall—at times it seems as if the corners are talking to each other. Small breaks in the music create the illusion that the cello, trumpet, or piano has quietly left the room for a moment. This individual consciousness and continuous redefinition of sound and its localization in space is exactly what Philipsz, the 2010 recipient of the Turner prize, wishes to achieve in her work. In Part File Score she succeeds. As the museums architectonic structure and the dynamic sounds depict separation and displacement, they relate to the building’s former life as a train station, a place of departure and arrival, of parting and return.

sugarhigh:
"Die mit dem Turner Prize ausgezeichnete schottische Künstlerin Susan Philipsz präsentiert im Hamburger Bahnhof mit „Part File Score“ ihre neueste ortsspezifische Klanginstallation. Die 24-kanalige Arbeit löst drei filmmusikalische Kompositionen von Hanns Eisler in der einstigen Bahnhofshalle des Museums raumakustisch auf"

The Guardian:
Part File Score, Philipsz's first major public show in her adopted city, fills the resounding emptiness of the Hamburger Bahnhof with three of Eisler's compositions, each performed for two instruments – piano and violin; and cello and trumpet ... Philipsz has turned Eisler's music into something that sounds almost like an interrogation ... The metaphoric resonances and relationship to Eisler's fractured life, with its proximities and distances, its lapses and secrets, and the sheer strain of keeping his life on track could not be made more clearly ... Here, space becomes place. One doesn't necessarily need to know of Eisler's personal difficulties to get a sense of Philipsz's elegiac intent. As much as Part File Score keeps returning to another man's life and its ambitions, mistakes and travailles, it is hard to be here without thinking of one's own life, where it might be leading. (Artikel lesen)

tip:
Susan Philipsz verteilt in einer gigantischen Installation Filmmusik von Hanns Eisler auf 24 Tonkanäle. Seine Partituren überlagert sie optisch mit den Akten, die das FBI über Eisler angelegt hat

Vagant, Norwegen:
Utställningen Part File Score har inte så mycket med byggnadens otaliga avlagringar att göra. Istället låter den skotska Berlin-baserade konstnären Susan Philipsz oss att kroppsligen vandra runt i musikens inre arkitektur och frusna läckor. Historien balanserar på en spricka.

vernissage.tv:
The exhibition presents a new sound installation by the 2010 Turner Prize winner ... In this video, Susan Philipsz explains significances of the concept of the exhibition and talks in detail about the developing process of this project (Video anschauen)